Das Kutscherhaus ...

... und die Pfarrei in Peißen
 

Home
Nach oben
Geschichte
Reide
Kutscherhaus
Mühle
Glocke
Dorfbrunnen
Kirche

 

Verloren und vergessen steht im Pfarrgarten zu Peißen ein altes Gebäude, ein Relikt vergangener Zeit, das Kutscherhaus.
Wie das Haus zu diesem Namen kam, weiß man nicht und es wird auch nicht so in alten Schriften bezeichnet.
Einen Kutscher konnte ein hiesiger Pfarrer sich nicht leisten, dieses hatte er auch nicht nötig. Peißen hatte keine Filialkirche, wo er hätte hinfahren müssen.

Wäre im vorigen Jahrhundert, oder davor, eine kleine Reise nötig gewesen, so wären die Gutsbesitzer beflissen gewesen, für ihren Pfarrer oder für seine Familie, ein Gespann mit Kutsche und Kutscher zur Verfügung zu stellen.

In alter Zeit war einmal die Pfarrei von Peißen ein bedeutender landwirtschaftlicher Betrieb. Es wurde immerhin 4 Hufe (ca. 80 ha) und eine Wiese bewirtschaftet.

Von Pastor Schlitte, in dessen Amtszeit 1705 - 46 die neue Pfarre errichtet wurde, erfahren wir, welche Wirtschaftsgebäude vorhanden waren. Ein Stallgebäude am Kirchhof, in sich fassend ein Schafstall, Pferdestall, Grünstall und den Kuhstall. Außer dem war noch ein Schuppen. Als Scheune diente noch die alte am vorherigen Pfarrhof.

Von Pastor Reger 1837 - 41 wissen wir, er mußte auf Anordnung der Königlichen Regierung 1838 ein Inventarien-Verzeichnis anlegen, hier ein Auszug:

"Das Wirtschaftsgebäude an der Gottesackerseite, ist mit neuen Türen, wovon 4 vor den Ställen und eine zu dem im Futterstalle befindlichen Keller gehört.
3 neue Stallungen, ein Lattentor von dem Holzschuppen versehen, auch die übrigen 5 Türen hinsichtlich der Beschläge von Kuh - und Pferdestall, sind in brauchbaren Stand versetzt worden.
Der an die (neue) Scheune angebaute Schweinestall ist im brauchbarem Zustand, mit inwendig 4 Piecen von Holz eingerichtet. Die Viehbarriere ist vervollständigt. Das Hofpflaster ist erneuert..."

Dem Pastor Hartung (1801 - 1837) sagt man nach, daß er ein tüchtiger Landwirt gewesen sei.

Pastor Reger, Nachfolger des obigen und schon zu dessen Lebenszeit Adjunkt, hat der Pfarre mehrere 100 Thaler Schulden eingebracht.

Von 1826 an ist das Pfarramt hier verpachtet gewesen. Zuerst an Hänert aus Halle und dann an den Verwalter Bonfeld. Derselbe ist 1831 oder 1832 , nachdem er 2 bis 3 Jahre hier gewesen, bei Nacht und Nebel ausgekniffen. Zwei Gespanne Kuh und Pferde gingen aus den Hof.
Danach wurde die Landwirtschaft aufgegeben, die Äcker verpachtet bis zum heutigen Tag. 1913 wurden die Stallungen und 1934 die Scheune abgebrochen. 1913 dann wurde das Kutscherhaus errichtet.

Zur Amtszeit von Pastor Sorger ab 1953, wurde es noch gebraucht, als Waschhaus, Kohlenlager, Heuboden, Speicher für Futtermittel, für Ziegen, Kaninchen und Federervieh und als Geräteschuppen.

Heute wird das Pfarrhaus von der Familie Hunold bewohnt, während seelsorgerisch die Kirchgemeinde von der Pastorin Frau John (Hohenthurm) betreut wird.
Die Waschmaschine ersetzt das Waschhaus, geheizt wird mit Gas, das Fahrzeug steht in der Garage.
So sind die Tage des Kutscherhauses gezählt, es wird nicht mehr gebraucht.

h.m.