Wie jeder Ort des Saalkreises hat auch Peißen seine Geschichte. Der Ortsname deutet auf eine slawische Gründung hin, der Dorfkern ist ein Rundling. Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes als Peitzne ist auf das Jahr 1332 zurückzuführen. In etwa die gleiche Zeit ( 1347 ) fällt die erste Erwähnung des heutigen OT Rabatz als Robatwiz. Dieser Ort deutet ebenfalls auf eine slawische Siedlung hin und wurde auch als Rundling angelegt.In Stichelsdorf weisen Funde des 8./10.Jh. auf eine slawische Siedlung hin, die durch Reide, Sümpfe und Teiche geschützt war. Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes als Steckilsdorf geht auf das Jahr 1269 zurück. Bis 1698 gehörte das Dorf dem Kloster bzw. Amt Petersberg. Das Gut war seit dem 18. Jh. in Besitz der Franckeschen Stiftungen in Halle. In den 20er Jahren unseres Jh. kam der Ort zu Peißen.
Funde des 8./10. Jh. weisen in Zöberitz ebenfalls auf eine slawische Siedlung hin. Das Dorf wurde 1322 als Zoberitz erwähnt. Im 15. Jh. war das Rittergut in Besitz der Herren von Trotha, danach wechselten bis 1945 die Besitzer häufig.
Schon in der prähistorischen Zeit war das Gebiet um Peißen von Vorzeitmenschen besiedelt. Das beweisen die gemachten Funde aus der Schnurkeramikzeit, der Trichterbecher-Kulturepoche und der Bronzezeit.
Diese Funde sind im Landesmuseum für Vorgeschichte ausgestellt. Wo aber bisher keine Funde gemacht wurden, das ist die Zeit, als die Sorben unser Gebiet für etliche Jahrhunderte besiedelt hatten. Und trotzdem ist ihre Anwesenheit nachweisbar.
Die Wallinseln am Bachlauf der Reide, einmal in Peißen direkt, dann in den dazugehörenden Ortsteilen Zöberitz, Rabatz und Stichelsdorf, sind Zeugen davon.
Im letzteren Ortsteil war bis zur Mitte unseres Jahrhunderts der breite Ringgraben noch vorhanden. Das älteste noch erhaltene Bauwerk von Peißen ist, als steinerne Warte erbaut, der runde Kirchturm. Er gehörte zur Grenzschutzkette Schkopau, Peißen, Hohenthurm und Zörbig. Nachdem der Turm nicht mehr zur Grenzüberwachung erforderlich war, wurde zur Zeit der Christianisierung der Sorben ein Kirchenschiff angebaut. Aus der romanischen Zeit existiert darin noch der kübelförmige Taufstein – ein Zeugnis der Erwachsenentaufe.
Aus gotischer Zeit sind in der St. Wenzel-Kirche vorhanden: ein Altarschrein mit fünf Heiligenfiguren und die große Glocke aus dem Jahre 1483. Sehenswert ist das 1968 geschaffene kleine Museum im Turm.
Bauernhäuser aus sehr alter Zeit existieren in Peißen und Rabatz nicht mehr. Das älteste mit dem noch vorhandenen Torbogen ist von 1700 an der Südwestecke des Dorfplatzes. Ursprünglich hatte jedes Bauerngehöft solche Toreinfahrten, doch durch bauliche Veränderungen wurden sie abgerissen. Deshalb konnte dieser einzige Torbogen unter Denkmalschutz gestellt werden und die bekannte Plakette erhalten.
Peißen und der Ortsteil Rabatz waren typische Bauerndörfer. 1785 werden erwähnt: vier Bauern, ein Halbspänner, sechs große und fünf kleine Kossaten sowie acht Häusler und sechs Einlieger.
Aus dieser Zeit stammen die sieben Kolonistenhäuser an der Gartenstraße und fünf "im Winkel".
Rege Bautätigkeit setzte um unsere Jahrhundertwende ein, wo die typischen Häuser entstanden, die nicht zum Dorfcharakter passen. Später entstanden die beiden Siedlungen im Bahnhofsbereich und Am Anger.
Erst Ende der 1960er Jahre wurde viel gebaut – einmal die Schulgebäude neben der alten Schule von 1884, dann der große Gebäudekomplex der LPG mit Sozialeinrichtungen und Stallungen sowie die Typenhäuser am Lindenring und im Bahnhofsviertel in Zöberitz. Übrigens wurden hier nach der Bodenreform – bei der die Aufteilung des großen Rittergutes erfolgte – vier Neubauernhäuser geschaffen.
Auch im Ortsteil Stichelsdorf wurde in den letzten 50 Jahren viel geschaffen – einmal die Mehrfamilienhäuser am Ortseingang und zum anderen die große Gefriertrocknungsanlage, die durch Exporte den guten Ruf unseres Heimatdorfes in viele Länder brachte.
Es wäre noch viel zu schreiben über die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Peißen, z.B. daß am 4.März 1636 – also im Dreißigjährigen Krieg – Rabatz von der kursächsischen Soldateska völlig eingeäschert wurde.
Im Ortsteil Zöberitz blieben danach noch jahrzehntelang sieben Gehöfte wüst liegen, weil vermutlich die Besitzer umgebracht oder geflüchtet waren.
Im Siebenjährigen Krieg wurden die Einwohner von durchziehenden Truppen belästigt und ausgeraubt. Großes Leid und Plünderungen erlebten die Peißener durch die Franzosen nach der Schlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806.
Im 1. und 2. Weltkrieg mußten viele Söhne von Peißen, Rabatz und Zöberitz ihr Leben lassen. Im Jahre 1944 erreichte auch der angloamerikanische Terrorkrieg, mit zwei Bombenangriffen der Royal Air Force Peißen und Zöberitz.